Nachwuchssorgen

Vor einiger Zeit habe ich begonnen Geschichten zu schreiben und zwar mit großer Freude. Das ist soweit nichts Ungewöhnliches – viele Menschen schreiben. Weil ich - penetrant wie ich bin - eine Großoffensive gestartet hatte mit meiner allerersten Geschichte, bekam ich tatsächlich einige positive und aufmunternde Emails von deutschen Verlagen. Über einen dieser Kontakte habe ich meinen Mentor in Hamburg kennen gelernt. Er war und ist eine große Hilfe. Da ich erst auf dem zweiten Bildungsweg Autorin geworden bin, fehlte mir jegliche Erfahrung. Aber mein Mentor meinte, das Talent sei gegeben … also weiterschreiben.

 

Ich machte im Laufe der nächsten Wochen die Erfahrung, dass es mit dem eingeschränkten Buchstaben-Material scheinbar tatsächlich möglich ist, noch neue Kombinationen zusammenzusetzen, die es offenbar so noch nicht gegeben hat, obwohl natürlich schon sehr viel geschrieben wurde, mit genau den gleichen oder den selben Buchstaben (gleichen sich die Buchstaben oder selben sie sich?).

 

Ich schrieb also munter und unbedarft und schickte meinem Mentor die Geschichten zum Begutachten und Kommentieren bis zu dem Tag als die Antwort kam, die da lautete: „… sprachlich wieder sehr gelungen … originelle Formulierungen … die Idee ist nicht neu!“

 

Das musste ja irgendwann passieren bei 26 Buchstaben plus 3 Umlauten und einem ß, bei dem man noch nicht einmal die Variante der Großschreibung hat. Und auch der geschickte und gut dosierte Einsatz von Kombinationen wie „sch“ und „st“ oder „sp“ hilft nur bedingt weiter und sogar „ie“ und „ei“ ist irgendwann abgenutzt.

„Ei“ – das ist es! Abhilfe muss her in Form neuer Buchstaben und ich will die Erste sein, die sie hat und zum Einsatz bringt. Damit werden sich mir neue Möglichkeiten erschließen und ich werde Bahnbrechendes schreiben. Ich sehe mich schon in den Talk-Shows, in den Bücher-Clubs und in den Wissenschafts-Sendungen.  

 

Einen Teil meines Arbeitszimmers habe ich zu einem Labor umfunktioniert. Erste Fortschritte und Erfolge sind zu verzeichnen.

Zwei Buchstäbchen räkeln sich bereits unter der Wärmelampe neben meinem Computer, Nummer drei und vier sind kurz davor die Schale zu durchbrechen und das schummrige Licht meines Schreiblabors zu erblicken.

Massive Sicherheitsvorkehrungen, die sich bis zur Grundstücksgrenze erstrecken, sorgen dafür, dass die kleinen Neuschöpfungen nicht ausbrechen können. Nicht auszumalen was geschehen würde, wenn sich meine Kreuzungen … 

unk♂ntr♀lliíert …. mît …. Ðän …  Þu©H$t@bñ ...... m¡SS¡☺N…..

… … …

… äs... O... ß…

 

 

© Heike Petersen

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